9783570163818_CoverNach dem Tod seiner Mutter hält Bully nichts mehr bei seinem Stiefvater. Er lebt mit seiner Hündin Jack(y) auf den Straßen Londons und schlägt sich durch. Seine einzige Verbindung zu seinem früheren Leben ist die letzte Geburtstagskarte, die er von seiner Mutter erhalten hat.

Durch einen Zufall findet er in dieser Karte einen Lottoschein, der „das große Los“ ist. Überglücklich, aber auch völlig unbedacht erzählt er bekannten Stadtstreichern davon und setzt damit ein Kopfgeld auf sich selbst aus.

Michael Byrnes all-age Roman (vom Verlag ab 11 Jahren deklariert) macht das Dillemma eines Millionengewinns deutlich. Nicht nur, dass Bully das Geld aufgrund seines Alters selbst nicht einfordern kann Er muss auch erkennen, dass Freunde nicht immer vertrauenswürdig sind und Geld, vor alem viel Geld in Reichweite, die schlechtesten Seiten in Menschen hervor bringen kann.

Das Buch ist wirklich erstaunlich. Die ersten Seiten sind einfach nur traurig, doch schnell wird Bullys Leben auf der Straße akzeptiert. Sein Glück ist ebenso spürbar, wie die falschen Entscheidungen, die er trifft. Die schlechten Erfahrungen, die er machen muss, lassen den Leser nachdenklich und bestürzt zurück. So viele Menschen, die auf der Straße leben und die wir im Alltag nicht einmal mehr registrieren, darunter Kinder und Jugendliche.

Mitunter wird es für den „Lottery Boy“ sehr brutal, zum Glück ohne die Szenen mit übermäßig viel Blut auszuschmücken. Die dunklen Seiten des auf-der-Straße-Lebens wird nicht verheimlicht. Kriminalität gegen und unter Obdachlose(n) ist ein Thema, aber auch die Lieblosigkeit gegenüber „angeheirateten“ Kindern, die nach dem Tod des Elternteils „übrig“ sind. Auf sanfte Gemüter kann das Geschehen verstörend wirken. Junge Leser sollten die Möglichkeit haben das Buch mit einem Erwachsenen zu besprechen.

Selten habe ich ein Jugendbuch gelesen, dass mich so sehr bewegt hat wie „Lottery Boy“. Es ist ein Buch, dass erwachsener macht und nicht einfach nur der Unterhaltung dient (das heißt aber nicht, dass es nicht gut zu lesen ist oder langweilig ist. Ganz im Gegenteil!). Deswegen würde ich es nicht einfach jedem empfehlen, sondern für Jugendliche mit einer entsprechenden Reife, sowie Erwachsenen, die sich vor Jugendbüchern mit Tiefgang nicht scheuen.

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